Eine verschwäbelte Komödie
von Oliver Heil
Irgendwo in Mexiko
Endlich angekommen, in diesem schwülwarmen mexikanischen Dorf, begegnet Felix in einer nur mit einer Birne an der Decke beleuchteten Bar dem Urwaldführer Paco. Paco ein kräftiger Mann mit tiefen dunklen Augen und schwülstigen Lippen spricht in gebrochenen Amerikanisch über die Gefahren und über Schlangen, die sich im Dschungel überall befinden. Felix spürt schon den leichten Adrenalinanstieg in seinem Blut, entschließt sich aber dennoch Vertrauen zu Paco zu fassen. Vielleicht liegt es an seinem entschlossenen Blick und seiner vertrauenserweckenden Stimme, die flüsternd ruhig seine reisemüden Ohren um säuseln oder nur einfach daran weil es keinen anderen Urwaldführer gibt. Felix erhofft sich sehr viel Abenteuer und tolle Fotoaufnahmen von dem mexikanischen Dschungel. Er als Schwabe und Fotograf hat eine spezielle Aufnahmetechnik mit seiner neuen Digitalkamera entwickelt, womit er eine besondere Tiefenschärfe erreichen kann. Am nächsten Morgen gelingt es ihm, gemeinsam mit dem Dschungelführer Paco, einige interessante Fotos im Urwald zu schiessen. Nach einer Zeit bricht ein heftiger Regen los und Felix folgt dem nur noch in spanisch fluchenden Paco in irgendwelche verschlungenen Urwaldpfade. Bis auf die Haut durchnässt gelangen beide völlig verdreckt und erschöpft zu einer kleinen Hütte, die zwar einladend aussieht, aber dennoch etwas merkwürdig konstruiert ist. Die Wände sind aus dicken Balken und völlig mit Moos überdeckt, so dass die Hütte fast nicht zu sehen ist. Ein sehr kleines Fenster lässt erahnen, dass sich jemand in der Hütte aufhält. Paco geht mit zielstrebigen Schritten auf die Hütte zu und klopft an die dicke Tür. Nach einer langen Pause wird die Tür von einem sehr kleinen, alten Mann geöffnet. Paco und dieser Mann wechseln rasch einige Worte auf spanisch, und der zunächst unzufrieden dreinschauende Mann bekommt langsam ein breites Grinsen in seinem Gesicht und lässt Felix und Paco in die Hütte. Drinnen ist es sehr warm und angenehme Gerüche von der offenen Feuerstelle ermöglichen es Felix, sich zu entspannen. Paco fungiert nun als Dolmetscher zwischen dem alten Mann, dessen Namen (aus steuerrechtlichen Gründen) unbekannt bleibt, und Felix. Der alte Mann erzählt eine lange Geschichte von einem Traum und der Möglichkeit, die Traumwelt bewusst zu gestalten. Felix, der von all diesen Dingen zum ersten Mal hört, traut seinen Ohren kaum. Da er in einem angenehmen Erschöpfungszustand ist und seinem inneren kritischen Denker nicht zu viel Platz einräumt, gelingt es dem alten Mann mehr und mehr, von seinem magischen Wissen zu erzählen und auf Felix suggestiv zu wirken.
Zur gleichen Zeit
Josef spielt mit Delphinen an einem Strand in der Nähe von Hawaii. Josef ist ein links-katholischer Theologiestudent und ist sehr tierlieb! Er beschäftigt sich neben seinem Studium mit verschiedenen esoterischen Gebieten.
In einem Esslinger Straßencafé
Nach zwei Wochen fliegt Felix zurück nach Esslingen und trifft dort seinen Jugendfreund Josef. Josef war fast zeitgleich auf Hawaii und hat dort zum ersten Mal Kontakt mit Delphinen gehabt.
Josef ist etwas dominanter in der Gesprächsführung, weil er sich zum einen besser ausdrücken kann und zum anderen leidenschaftlicher esoterische Themen verfolgt.
Josef: Also Felix, diese Erfahrung mit den Delphinen war echt sehr tiefgehend. Ich habe mich noch nie zuvor so eins mit einem Tier gefühlt. Und die Vibrationen waren einfach gigantisch. Oskar, der Anleiter war sehr einfühlsam und hat uns durch Fantasiereisen super auf die Begegnung mit den Delphinen vorbereitet. Es war einfach ein sehr spannendes kosmisches Erlebnis. Ich träume immer noch davon wie ich mit den Delphinen im Ozean der Verbundenheit kommuniziere und das alles so spielend leicht..einfach göttlich. War allerdings ziemlich teuer, so dass ich jetzt erst einmal wieder in der Zoohandlung jobben gehen muss.
Felix, der lange zuhört und bei gewissen Wörtern, wie Träume, Fantasiereisen interessiert aufblickt, fängt nun im breiten schwäbisch von seiner Erfahrung aus Mexiko zu berichten.
Felix: Josef weischt, ich hab noch einen wahnsinnigen Trip in Mexiko gehabt. Bin irgendwie noch gar nicht ganz da. Aber nun erzähl ich dir mal was sich so zugetragen hat. Ich war da doch im Mexikanischen Dschungel, um da diese speziellen Fotos zu machen. Mit dem Urwaldführer bin ich auf mysteriöse Weise zu so einem Schamanen gekommen, der mir Aschtralreisen beigebracht hat. Also ich sage dir, das ist eine total abgefahrene Sache. Du legst dich hin und schließt die Augen und machst noch vorher so ein paar komische Bewegungen und stellst dir erst einmal vor wohin du willst. Z.B. auf die Fiji-Inseln...und nach einer Weile bist du wirklich da und kannst machen was du willst...einfach super..und was der Hammer ist, du wachst auf und bist gar nicht müde. Jede Nacht gehe ich jetzt an Orte wo immer ich hin will. Was ein bisschen ärgerlich ist, dass man dort keine Fotos machen kann, aber man spart enorme Reisekosten und ist viel flexibler. Wenn es einem nicht gefällt, dann geht man einfach wo anders hin, egal wie, mit Flugzeug, oder Auto..ganz wie belieben.
Josef: Mensch Felix, dass hört sich ja total spannend an. Ich stell mir gerade vor, wie ich bei den Dinosauriern bin und mir alles ganz in Ruhe anschauen kann, oder nach Jerusalem an den Geburtsort von Jesus. Einfach irre, die Vorstellung. Und du hast das innerhalb von zwei Wochen gelernt?
Felix: Also nein, genaugenommen hat das nur zwei Tage gedauert, aber es funktioniert noch immer.
Josef: Ist ja nicht zu fassen..könntest du mir das auch beibringen..oder muss man dafür extra nach Mexiko fliegen. Oh, nein, jetzt wo ich so total abgebrannt bin.
Felix: Naja, auf einen Versuch käme es ja mal an. Wäre ja auch interessant, ob wir zusammen irgendwo hin reisen können.
Josef: Und ist das denn völlig ungefährlich?
Felix: Dieser alte Schamane hat mir nichts davon erzählt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da was passieren könnte. Wenn es einem zu gefährlich wird, kommt man einfach wieder zurück in seinem physischen Körper. Wie wenn du aus einem Alptraum aufwachst und froh darüber bist, dass es nur ein Traum war.
Josef: Also dann. Wann sollen wir uns treffen? Ich bin wahnsinnig gespannt ob das klappt.
Felix: Wir können uns am Samstag treffen, dann sind auch die Fotos fertig. Wir können sie dann zusammen anschauen. Kannst du am Samstag?
Josef: Klar kann ich. Aber erst am Nachmittag.
Bei Felix zu Hause
Felix und Josef schauen sich die Fotos aus dem Dschungel an.
Felix: Schau dir mal diese Tiefenschärfe an. Irre ist das, findest du das auch?
Josef: Ja, ja echt toll. Können wir jetzt mal eine Astralreise machen. Mir brennt es unter den Nägeln. Ich würde das gerne mal erleben. Habe in den letzten Tagen bestimmt 5 Bücher gelesen, zu diesem Thema. Ich finde das wirklich hochinteressant und äußerst spannend.
Felix: O.K. machen wir es. Leg dich dort hin. Die Füße müssen Richtung Osten zeigen. Schließe deine Augen und entspanne dich langsam von unten nach oben mit jedem Atemzug immer mehr. Entspanne deine Füße ..deine Unterschenkel..Knie...Oberschenkel..entspanne deine Hüften...deinen Anus..Geschlechtsorgane..mit jedem Atemzug immer mehr und mehr... deinen unteren Bauchbereich...oberen Bauchbereich..den Brustkorb...schultern und Arme bis in die Fingerspitzen....den Hals und den Kopf...ganz entspannen...Stell dir jetzt vor, dass du irgendwo hinwillst..an einem Ort deiner Wahl...(Felix macht einige rituelle Handbewegungen über Josef)...stelle es dir so gut wie möglich vor...steigere dich hinein..bis du völlig da bist...rieche die Umgebung, spüre die Temperatur..und gehe hinein..in das Leben.
Josef schwebt als Jünger Christi zu einer Kundgebung von Jesus. Sieht alles sehr plastisch vor sich und lauscht den Worten Jesu ganz gebannt. Eine heilige Atmosphäre mit viel kosmischen Licht breitet sich aus. Josef fühlt, dass er gesegnet wird und Jesus lächelt ihn zu.
Nach zwei Stunden macht Felix abermals eine rituelle Handbewegung und pustet Josef leicht auf die Stirn. Josef wacht auf und strahlt völlig begeistert.
Josef: Man Felix, dass ist ja total abgefahren. Ich war bei Jesus und er hat mir bei seiner Kundgebung zugelächelt. Ich fühle mich immer noch wie gesegnet.
Felix: Entspann dich noch ein wenig und lass es einfach noch auf dich wirken. Ich mach erstmal einen Kaffee.
Beide sitzen in der Küche von Felix
Josef. Sag einmal Felix, das ist ja eigentlich extrem super. Mich bringt das auf eine Idee. Stell dir mal vor, wir würden hier eine Reiseagentur für Astralreisen aufmachen. Wir könnten das super verkaufen, im Sinne sehr ökologisch, weil man kein umweltverschmutzendes Benzin verbrauchen muss. Man kann auch an Orte Reisen die es nur in der Fantasie gibt, oder nur noch historisch sind. Also extrem viele Vorteile. Schnell und ökologisch, dass ist der Renner. Was glaubst du was wir damit verdienen können. Für ein Wochenende könnten wir locker 150,-EURO pro Person verdienen.
Felix: Ich weiß nicht. Wird das so gefragt sein. Ich meine die Menschen wollen vielleicht doch lieber etwas echtes oder so. Und ich finde es auch nicht gut, dafür Geld zu nehmen.
Josef: Das glaube ich weniger. Irgendwelche Neonazis könnten mal kurz in den 2. Weltkrieg reisen.. Oder Biologen könnten beobachten wie die Dinos vor 200 Millionen Jahren gelebt haben. Rollstuhlfahrer oder alte Menschen könnten sehr guten Gebrauch von solcher Art zu reisen machen. Oder, oder, oder. Der Fantasie sind da ja keine Grenzen gesetzt. Also ich finde wir sollten das ganz groß aufziehen und ruhig auch Geld dafür verlangen.
Felix. 150,-EURO finde ich dann aber zu wenig. Wenn du dir vorstellst, dass man schon für einen Flug nach Sizilien 450,-EURO bezahlen musst.
Josef: Hatte eigentlich eher an 150,-EURO pro Stunde gedacht. Oder 250,-EURO, weil wir ja auch dann mehr Räume brauchen, und bei den Mietpreisen heutzutage müssen wir da schon gut kalkulieren.
Felix: Ein Onkel von mir hat eine Pension am Bodensee. Wenn ich ihn mal frage. Im Winter ist die geschlossen. Könnte mir gut vorstellen, dass er sie günstig über ein oder mehrere Wochenenden vermietet. Also irgendwie gefällt mir die Idee. Wenn nur 10 Menschen kommen. Jeder bleibt zwei Stunden. Das sind dann an einem Nachmittag schon 5000,-EURO. Wenn wir am Tag 4 Astralreisen anbieten zu je 10 Menschen je zwei Stunden sind das 20.000,-EURO an einem Tag. D.h. an einem Wochenende 40.000,-EURO. Im Monat 160.000EURO. Wer kann da schon nein sage.
Josef: Ich kann es immer noch nicht glauben, dass das so einfach geht. Was hast du denn gemacht? Das ist ja unglaublich. (Noch völlig benommen)
Felix: Das machen wir! Das ziehen wir ganz groß auf. So mit einem kleinem Reisebüro. Broschüren, Preislisten und Inserate.
2 Wochen später
Josef und Felix sitzen in Anzügen in einem selbstgestalteten Reisebüro. Meditative Musik und Räucherstäbchen sind dezent im Hintergrund Sie hatten eine Anzeige in der Süddeutschen Zeitung aufgegeben und warten nun auf die Resonanz. Schon nach wenigen Minuten kommt eine betagte aber offensichtlich reiche Kundin in den Laden. Der Laden füllt sich rasch mit den verschiedensten Menschen. Das Telefon klingelt pausenlos. Josef und Felix können sich kaum retten vor Kundschaft und sind schnell ausgebucht. Einige Kunden vertrösten sie auf nächsten Monat. Beiden gehen sichtlich zufrieden und mit aufrechten Gang aus dem kleinen Reisebüro. Und klopfen sich herzlich auf die Schultern.
Josef: Mensch Felix, dass das so einschlägt, hätte ich nicht gedacht. Ich denke wir könnten ein wenig feiern gehen.
Felix: Ja super Idee.
Am Wochenende
Eine 10er Gruppe findet sich in der kleinen Pension „Zum goldenen Ochsen„ in Überlingen am Bodensee ein. Josef nimmt die Daten auf und kassiert das Geld. Felix hält eine Ansprache. Vermittelt die Prinzipien der Astralreise und bittet die Kunden sich in ihre Zimmer einzuquartieren. Felix bringt jeden Kunden auf Astralreise. Einige reisen zu Verwandten, andere zu Orten nach denen sie sich schon lange gesehnt haben. Die alte Dame reist nach Amerika zu ihrer Jugendliebe. Der Anthroposoph vergnügt sich mit Lichtwesen. Ein Rollstuhlfahrer geht joggen im Club Med in Thailand und lässt sich anschließend im Massagesalon von zwei hübschen Mädels massieren. Der verkappte Neonazi geht in die Nazizeit und hetzt gegen Schwule und Juden. Ein Späthippie geht zu einem Jimi Hendrix-Konzert .Etc.
Nach zwei Stunden holt er sie auf gewohnte Weise von der Reise zurück. Alle sind begeistert und ergriffen von der Möglichkeit auf Astralreise zu gehen und wollen gleich einen neuen Termin. Bei fast allen klappt die Rückführung, außer bei der alten Dame, diese scheint nicht mehr zurück kommen zu wollen. Felix ist etwas verzweifelt. Da schon die nächsten Kunden kommen, bleibt wenig Zeit, sich um die alte Dame zu kümmern. Ein Kunde, ein als Normalbürger verkleideter Pastor, wird auf später vertröstet. Inzwischen sind die neuen Kunden auf Astralreisen. Felix versucht die alte Dame irgendwie zu wecken. Nachdem er alle Hausmittelchen versucht hat, entscheidet er mit Josef, die alte Dame in den Keller zu bringen, es ist ja schließlich nicht ganz klar wann sie zurückkommt und außerdem brauchen sie den Platz für weitere Kunden. Langsam eskaliert das ganze Astralreisenprojekt, denn immer mehr Kunden scheinen nicht mehr zurück zu kommen. Der Pastor ist auch noch nicht zurück, weil er sich gleich in einer ganzen Etage in einem Freudenhaus einquartiert hat.
Felix: Irgendwie wird mir die Sache unheimlich. Jetzt haben wir schon vier Kunden im Keller. Tendenz steigend. Wir sollten einen Arzt holen oder irgendetwas mit den Körpern machen.
Josef: Einen Arzt holen, sag mal spinnst du. Was glaubst du was der macht? Wir haben dann bestimmt die Polizei bald am Hals. Und wie willst du das erklären? Deinen Astralreisen-Hokuspokus glaubt dir niemand.
Felix: Hast du vielleicht eine positivere Idee?
Josef: Wir könnten sie ja irgendwo aussetzen. Die Alte legen wir einfach an eine Bushaltestelle. Das sieht dann so aus als sei sie sanft entschlafen. Den Pastor bringen wir in die Kirche und die anderen verteilen wir so irgendwo.
Felix: Na ich weiß nicht, wenn die erfrieren oder ausgeraubt werden.
Josef: Quatsch. Wir rufen natürlich das Krankenhaus an und sagen, dass wir einen Notfall zu melden haben. Und so kalt ist es ja auch noch nicht.
Felix: Meinst du nicht, dass das auffällt, wenn immer die gleichen Leute anrufen?
Josef: Nein. Wir können die Stimmen verstellen, und überhaupt gibt es da ja auch noch andere Tricks.
Felix: Ich bin nicht so dafür. Erstens weil wir erwischt werden können, beim Ein- und Ausladen und zweitens hab ich kein gutes Gefühl dabei, wenn die Kunden irgendwo liegen. Was ist wenn die Kunden sich daran erinnern, dass sie von uns kommen, dann könnten sie erzählen, das und das wurde mit ihnen gemacht. Ich finde, wir sollten sie einfach im Keller liegen lassen. Sie stören ja niemanden und außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass die ewig auf so einer Astralreise rumschwirrren können.
Josef: Also gut. Aber allzu lange ist nicht gut. Was ist wenn sie nachts aufwachen? Wissen sie dann gleich wo sie sind? Sie sind ja im Zimmer gestartet und wachen nun im Keller auf. Wir können auch nicht immer Wache stehen. Am besten wir stellen über Nacht einen Studenten ein. Billige Arbeitskraft, und sicherlich ist der verständnisvoll für das was hier passiert.
Felix: Obwohl ich nicht so dafür bin, sehe ich keine andere Wahl. Dieser Student muss aber unter Schweigepflicht gestellt werden. Es darf nichts nach draußen gelangen.
Josef: Es ist wahrscheinlich doch eine Frage des Stundenlohns. Und außerdem wird er es besser verstehen wenn er auch mal eine Astralreise mitmacht. Die können wir ihm ja zu einem Studententarif verrechnen.
Felix: O.K. ich fahr dann nach Konstanz.
Während Felix nach Konstanz fährt und einen Studenten an der Uni sucht, kommt ein Angehöriger der alten Dame in die Pension. Josef empfängt diesen Angehörigen.
Josef: Guten Tag! Mit was kann ich Ihnen behilflich sein?
Angehöriger: Meine Mutter hat vor zwei Wochen diese Astralreise bei Ihnen gebucht. Laut Vertrag dauert die Reise nur zwei Stunden. Nun wollte ich gerne mal wissen, wo meine Mutter abgeblieben ist?
Josef. Wie ist der Name ihrer Mutter?
Angehöriger: Frau Dr. Weisshaar.
Josef: Ja richtig. Diese Frau Dr. Weisshaar ist hier, aber sie wollte noch etwas länger bleiben. Sie hat uns mitteilen lassen, dass für die Kosten gesorgt sei, und das sie sehr dankbar sei, über diese Möglichkeit der Astralreisen. Wenn sie mir ihre Telefonnummer hinterlegen, so werde ich sie gleich unterrichten, sobald sie wieder zurück ist.
Angehöriger: Es wird ihr doch nichts zugestoßen sein?
Josef: Ich kann Ihnen versichern, dass es ihrer Mutter gut geht. Auf Wiedersehen.
Inzwischen kommt die Polizei vorgefahren und sucht nach einem Asylbewerber, der hier zuletzt gesehen wurde. Josef wimmelt sie in letzter Minute ab.
Zeitgleich wacht im Keller der Pastor auf. Ein wenig verwirrt schaut er sich um. Sieht sich bei einigen weiblichen Körpern die Brüste ziemlich genau an und geht nach oben. Er möchte sich bei Josef darüber beschweren, dass er in diesem stinkenden Keller neben anderen aufgebahrt wurde, nun verlange er eine Erklärung. Josef, der langsam Anzeichen macht, dass er nicht mehr ganz Herr der Lage wird, versucht dem Pastor zu erklären wie es zu diesem Umstand kam. Der Pastor wirkt ambivalent und verwirrt. Seine Hose ist voll mit weißlichen Flecken besudelt und sein Hosenschlitz steht offen, er sieht auch sonst ziemlich ausgelutscht aus.
Josef: Ich kann mir das nicht ganz erklären, weswegen sie so lange weggeblieben sind. Normalerweise gibt es keine Probleme mit den Astralreisenden. Sie müssen etwas sehr intensives erlebt haben.
Pastor. Kaum Probleme. Das kann ja nicht ganz stimmen. Schauen sie doch mal in den Keller. Da liegen mindestens 13 Menschen aufgebahrt.
Josef: Das sind Dauerkunden. Die haben für länger als zwei Wochen gebucht. Das ist völlig normal. Bei ihnen muss ich da eine Nachgebühr verlangen. Sie haben nur für zwei Stunden gebucht und auch nur für zwei Stunden bezahlt. Moment mal, 12 mal 24 Stunden, mal 100,-EURO, macht zusammen 28.800,-EURO. Das ist schon ein sehr günstiger Tarif.
Pastor: Das ist ja wohl die Höhe, so viel Geld zu verlangen.
Josef: Wieso, sie haben sich doch sichtlich amüsiert (schaut dabei auf die Hose des Pastors).
Der Pastor sichtlich pikiert und eingeschüchtert merkt, dass er durchschaut ist, und bittet Josef, dass er ihm eine Woche Zeit lässt, um die Rechnung zu begleichen. Josef innerlich erfreut, sagt zu..
Felix, der einen lieben Biologiestudenten in Konstanz aufgetrieben hat, kommt zurück. Er weist den Studenten auf seine Schweigepflicht hin und erklärt ihm seine Arbeit.
Das Geschäft blüht zunehmend. Felix und Josef lassen den Betrieb auch während der Woche laufen. Für das Reisebüro haben sie schon zwei Gehilfen eingestellt, sodass sie nur noch in der Pension in Überlingen arbeiten. Das Problem besteht ausschließlich daraus, dass einige Kunden von ihrer Astralreise nicht zurückkommen wollen. Die Situation scheint zu eskalieren.
5 Wochen später
Die Körper von den nicht zurückgekommenen Astralreisenden stapeln sich immer mehr. Felix und Josef sind ratlos. Einige Körper fangen an unangenehm zu riechen. Klagen von den Nachbarn über den Geruch und die vollgestellten Parkplätze vor der Pension und in den Straßen werden immer lauter. Angehörige fragen immer öfters nach, es fehlt an Ausreden. Josef schlägt vor, dass einige Körper ausgesetzt werden. Da es aber immer kälter wird, muss diese Idee verworfen werden.
Felix und Josef genießen gleichzeitig das Leben. Sie fahren immer dickere Autos und tragen immer teurere Anzüge und Armbanduhren (was einem ein wenig an typische Mafiosikleidung erinnert). Die steigenden Lebenshaltungskosten müssen mit vermehrten Kundenaufwand kompensiert werden.
Da der gesellschaftliche Druck von außen immer mehr eskaliert, sind Felix und Josef in der Klemme. Sie müssen sich etwas überlegen.
Felix: So kann das nicht mehr weiter gehen. Jetzt sind es schon 20, die nicht mehr zurück kommen wollen. Einige Köper sind nicht gerade in einem guten Zustand, und ich frage mich; wenn die zurück kommen, ob sie dann noch in diesem Körper bleiben wollen.
Josef: Aber was sollen wir machen. Ich denke, da hilft nur noch beten.
Felix:: So ein Quatsch. Wir müssen die Suppe auslöffeln, die wir gekocht haben. Entweder ich versuche die Leute in der Astralwelt zu finden, was nicht ganz einfach ist, oder ich muss ganz schnell nach Mexiko und den Schamanen finden. Vielleicht kann der uns helfen.
Josef: Egal was! Du musst was unternehmen.
Felix: Ich denke das Beste ist, dass ich nach Mexiko fliege und den Schamanen suche. Du bleibst hier und entlässt das Personal und schließt erst einmal das Astralreisebüro bis auf weiteres. Die restlichen 15 Körper musst du pflegen und bewachen. Falls mein Onkel kommt, so lass ihn nicht rein. Du kannst ihm ja erzählen, dass die meisten gerade schlafen, oder egal lass dir was einfallen. Ich komme dann so schnell wie möglich zurück.
Josef: Aber beeil dich...ich hab keine große Lust hier länger als nötig zu bleiben.
Felix fliegt nach Mexiko
Dort angekommen versucht er wieder in der kleinen Bar Paco zu finden. Ein Such-Odyssee beginnt. Felix wird nicht fündig und ist völlig verzweifelt. Am letzten Tag vor seiner Abreise begegnet er zufällig Paco in der Toilette. Er erzählt Paco alles in Eile und erhofft sich nun Hilfe von Paco. Paco, der die Not spürt vereinbart erst einmal einen guten Preis dafür, dass er Felix zu dem Schamanen führt. Felix, der zwar merkt, das der Preis fünfmal überzogen ist, willigt ein.
Der Schamane verlangt auch erst einmal einen ordentlichen Preis für seine mögliche Dienstleistung.
Nach langen Diskussionen geht Felix erleichtert aus der Hütte des Schamanen. Der Schamane hat ihm gezeigt wie man die Astralreisenden aufspüren kann und mit ihnen in Kontakt treten kann.
Felix fliegt zurück und macht sich gleich an die Arbeit. Er besucht zuerst die alte Dame in Amerika, die immer noch in den Armen ihrer Jugendliebe liegt. Felix versucht ihr zu erklären, dass er in Not ist und nicht weiß was er mit ihrem Körper machen soll. Sie soll doch bitte zurück kommen. Die alte Dame ist äußerst unwillig und lässt Felix genervt auf weiter Straße in Manhatten stehen. Felix kommt auf die Idee einen Killer auf die alte Dame zu hetzen, damit sie motiviert ist, nach Hause zu gehen. Irgendwie scheint das auch zu funktionieren. Die alte Dame kommt aus dem Keller und ist stinkend wütend. Ihr Körper ist auch schon ziemlich verfallen. Felix versucht, sie zu beruhigen und empfiehlt ihr, dringend zum Arzt zu gehen und die Rechnung zu bezahlen. Sie bezahlt und bucht gleich einen neuen Termin.
Felix ist ziemlich erschöpft und geht am nächsten Tag auf eine andere Astralreise, um einen Pastor aus einem Sündenpfuhl zu holen. Auch dieser Pastor fühlt sich ertappt und willigt sofort ein, zurückzukommen. So geht Felix von ferngebliebener Person zu ferngebliebener Person. Er trifft dabei auch den Neonazi Norbert G. der überhaupt nicht einsieht, zurückzukommen, denn er hat sich gut in der Nazi-Hierarchie hochgearbeitet. Felix kommt völlig verzweifelt von dieser Astralreise zurück. Auch die alte Dame, die sich nun in der Zwischenzeit unter falschen Namen und verkleidet wieder auf Astralreise befindet, bleibt hartnäckig auf ihrer Astralreise. Da sich die Fälle häufen, ist Felix so entsetzt und aufgebracht, dass er schweißgebadet aufwacht auf...zum Glück nur ein „schwäbischer Alb-Traum„.
ENDE
© Oliver Heil, Stadtsraße 28, 79104 Freiburg